Erster GBIF-Workshop "A r t h r o p o d a"

Date of Meeting: 
1. März 2001, 9:00 - 17:00 Uhr

Ort: Hörsaal der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM), Münchhausenstraße 21, 81247 München

Teilnehmer:

· für den Projektträger bzw. BMBF: Dr. L. Quintern, PT Umweltforschung und -technik, DLR, Bonn

· für die Fachinstitutionen (alphabetisch): T. Arbuckle (Univ. Bonn, Informatik); U. Burkhardt (UFT Bremen); E. Groll, (DEI Eberswalde, ZALF); G. Haszprunar (ZSM München); C. Häuser (SMNS Stuttgart); A. Hausmann (ZSM, München); A. Hille (ZSM München); N. Hirneisen (V.I.M. Gaggenau); H. Höfer (SMNK Karlsruhe); J. Holstein (SMNS Stuttgart); J. Hoppe (Univ. Ulm, SYSTAX); S. Ingrisch (ZFMK Bonn); J. Kopelke (Senckenberg Frankfurt a.M); S. Löser (Löbbecke-Museum Düsseldorf); S. Roscher (ZADI Bonn); J. Spelda (SMNK Karlsruhe); A. Steiner (SMNS Stuttgart); V. Steinhage (Univ. Bonn, Informatik); R. Trusch (ZSM München); M. Uhlig (MNHU Berlin); M. Verhaagh (SMNK Karlsruhe); D. Waloßek (Univ. Ulm, Biosyst. Dokumentation); C. Wurst (SMNK Karlsruhe).

TOP 1: Vorstellung von GBIF und Information über das Bonner Vortreffen

Dr. Häuser, Stuttgart, informiert über den Stand der internationalen Entwicklung, das GBIF-Arbeitsprogramm (vgl. http://www.gbif.org) und die Ergebnisse des Koordinierungsgesprächs am 12. Februar 2001 im BMBF.

Die anschließende, grundsätzliche Diskussion zur inhaltlichen Abgrenzung eines Bereiches "Arthropoda", ergab bei weitestgehender Übereinstimmung aller Teilnehmer folgendes Meinungsbild:

Angesichts des absoluten und relativen Umfangs, wie der Bedeutung des Bereichs Arthropoda (70 % aller bekannten Arten) erscheint eine Aufteilung notwendig. Aufgrund bereits bekundeten Interesses könnten die marinen Gruppen der Crustacea sinnvoll aus den 'Arthropoda' ausgegliedert und dem Bereich 'marine Gruppen' zugeordnet werden. Für die übrigen Arthropoda fand der Vorschlag (Haszprunar) der Teilung in einen Knoten "Insecta" und einen weiteren Bereich "kontinentale Evertebrata (minus Insecta)", dem auch weitere terrestrisch-limnische Gruppen u.a. aus den Plathelminthes, Mollusca, Pararthropoda zugeschlagen werden sollten, allgemeine Zustimmung. Die somit abgegrenzten zwei Bereiche "Insecta" und "nicht-marine Evertebraten (ohne Insecta)" erscheinen sowohl hinsichtlich der fachwissenschaftlichen Kohärenz wie unter methodischen Aspekten (Sammlungswesen und Datenerfassung) als intern gut verzahnte Bereiche. Die extremen Unterschiede in der Größe der bisher vorgeschlagenen Teilknoten lassen zudem (auch methodisch) ein Zusammenfassen von Pilzen und Mikroorganismen geeignet erscheinen.

Dr. Quintern, DLR-PT Bonn, stellt die Rahmenbedingungen für die nationale Umsetzung aus der Sicht des Projektträgers bzw. BMBF, Referat 'Globale Umweltveränderungen' dar.

TOP 2: Festlegung von "Knotenkandidaten" und der wesentlichen Inhalte: Welche in Deutschland vorhandenen Datenfelder sind im Rahmen von GBIF von internationaler Bedeutung und in absehbarer Zeit verfügbar zu machen? (Durchlauf der anwesenden Vertreter mit Vorschlägen)

Staatliches Museum für Naturkunde (SMNS) Stuttgart (Holstein)
Bereitschaft, die Koordination und Verknüpfung eines Knotens Arthropoda bzw. Insecta zu übernehmen; sehr gute EDV-Ausstattung im Haus aus Landesmitteln (MUSIS) vorhanden (50 PC-Arbeitsplätze, LAN, NT-Server mit Anschluß an das BelWü-Netz); inhaltliche Erschließung kann nur in Teilbereichen im SMNS bzw. in direkter Einbindung mit anderen Fachinstitutionen erfolgen; umfangreiche Sammlungen vorhanden.

Universität Ulm, SYSTAX (Hoppe)
SYSTAX als "technischer Knoten" für Sammlungs- und Biodiversitätsdaten, i.b. auch für den Bereich Arthropoda (BIOLOG-Projekt); Server am Uni-Rechenzentrum Ulm.

Museum für Naturkunde der Humboldt Universität (MNHU) Berlin (Uhlig)
Wissenschaftlich wertvolle und sehr umfangreiche Sammlungsbestände von internationaler Bedeutung; Datenerfassung sehr heterogen; Zusage über Erneuerung der EDV-Infrastruktur ab 2003 durch HU Berlin.

Universität Bonn, Informatik (Steinhage)
Vorstellung des Automatic Bee Identification System (ABIS).

V.I.M., Gaggenau (Hirneisen)
IT-Kompetenz im Bereich Biodiversitätsinformatik; Sammeln von biodiversitäts-bezogenen Daten (ca. 1,5 Mio. Datensätze); IT-Dienstleister u.a. für BfN (Rote Listen, LEPIDAT), EDV-Koordination für EDIS.

ZADI Bonn (Roscher)
Bundesinformationssystem für Genetische Ressourcen (BIG) als Informations-Broker im botanischen Bereich (Taxonomie, Verbreitung); ZADI stellt i.w. Metainformationen zur Verfügung.

Zoologisches Forschungsinstitut und Museum Alexander Koenig (ZFMK) Bonn (Ingrisch)
Kompetenz i.b. bei Datenerfassung von Sammlungsdaten (eigenes Datenbanksystem); wertvolle Sammlungen und fachwissenschaftliche Kompetenz vorhanden; Bereitschaft zur Mitarbeit bzw. Daten-Zulieferung und Erschließung.

Löbbecke Museum Düsseldorf (Löser)
Versteht sich, wie andere kleinere Museen, vor allem als Daten-Zubringer; wichtige faunistische Belegsammlungen, teilweise bereits EDV-erfaßt.

Staatliches Museum für Naturkunde (SMNK) Karlsruhe (Höfer)
Kompetenzen i.b. im Bereich ökologisch relevanter Sammlungsinformation; bedeutende Sammlungen sowie Datenbanken vorhanden, EDV-Ausstattung aktuell im Ausbau (MUSIS); Bereitschaft zur Übernahme inhaltlicher Teilaufgaben, Koordination ggf. in Zusammenarbeit mit SMNS.

Deutsches Entomologisches Institut (DEI im ZALF) Eberswalde (Groll)
Kompetenzen i.b. für EDV-Erfassung bibliographischer und von entomo-historischen Daten (z.B. Sammlungsverbleib); weltweit bedeutende, entomologische Bibliothek im Hause; Koordinierung der genannten Sachgebiete vorstellbar.

Zoologische Staatssammlung München (ZSM) (Haszprunar)
Neben Berlin größte entomologische Sammlung in Deutschland, mit sehr guter technischer Ausstattung; EDV-Ausstattung auf hohem technischen Stand (LAN, mit PC-Arbeitsplätzen für alle Wissenschaftler und Techniker), relative Schwäche bei den personellen Kapazitäten; Mitarbeit bei der Etablierung eines Knotens im Bereich Entomologie ist auf der Basis einer "Süd-Achse" (Stuttgart-Ulm-München) vorstellbar; besondere Kompetenzen im Bereich globaler Artenregister und Sammlungs-Digitalisierung.

TOP 3: Fokussierung auf spezielle Themen und Verantwortungen.

Die allgemeine Diskussion ergab folgende Vorschläge zu möglichen übergeordneten Themenbereichen:

  • Erfassung der in Deutschland vorhandener Typusexemplare ("German Entomological Types" - GET): International bedeutende Bestände an (Primär-)Typusexemplaren von Insekten (> 30.000 ZSM, >100.000 Deutschland) vorhanden; Typenerfassung in Deutschland als nationaler, nicht von außen zu leistender Beitrag; hohe Nutzanwendung der Daten (90 % aller wissenschaftlichen Anfragen beziehen sich auf Typenmaterial); ggf. wäre eine Ergänzung durch einen DFG-Forschungsschwerpunkt "Typenrevisionen" sinnvoll.
  • Geo-Referenzierung von Sammlungs- bzw. Funddaten, i.b. unter globaler Perspektive: Nationale Kompetenzen für Entwicklung globaler GIS Systeme, i.b. durch Einbindung geographischer Information aus Satellitendaten (Fernerkundung) vorhanden; große Verfügbarkeit von Funddaten aus Sammlungsbelegen weltweit, i.b. aus Drittweltländern; hoher Informationsbedarf für Verbreitungsdaten und räumliche Verteilung/Strukturierung von Biodiversität, regional wie global.
  • Verknüpfung/Einbindung ökologischer Daten und automatischer Erkennungsmodule (Bestimmungshilfen): National große Verfügbarkeit an organismenspezifischen, autökologischen Daten sowohl aus nationalen wie internationalen Forschungsprojekten, i.b. in Tropenländern; eigene Kompetenzen in ökologischer Feldforschung und Modellierung; erfolgreiche Pilotprojekte bei der Entwicklung semi-automatisierter Bestimmungsmodule.

Zur Frage nach taxonomischen Kompetenzen und wichtigen Sammlungsbereichen in Deutschland wurden u.a. genannt:

Berlin (Hymenoptera; Diptera; Coleoptera: Staphylinidae; Orthoptera; Mollusca), Bonn (Lepidoptera: Geometridae), Dresden (Lepidoptera: Pyralidae; Orthoptera; Mollusken), Eberswalde (Coleoptera: Elateridae, Staphylinidae; Diptera: Sciaridae; Hymenoptera), Frankfurt (Hymenoptera; Mollusca), Görlitz (Hymenoptera: Formicidae; Acarini: Oribatidae), Hamburg (Orthoptera), Karlsruhe (Hymenoptera: Formicidae; Araneae; Acarini: Oribatidae; Myriapoda), München (Lepidoptera: Geometridae, Pyralidae; Coleoptera: Carabidae, Elateridae, Tenebrionidae; Hymenoptera; Diptera: Chironomidae), Stuttgart (Lepidoptera: Papilionoidea; Coleoptera: Tenebrionidae; Diptera: Tachinidae; Isopoda; Mollusca), Ulm (Dermaptera).

Zusätzlich wurde angeregt, für ein nationales GBIF-Netz unbedingt auch die Expertise von privat arbeitenden Spezialisten mit einzubeziehen, sowie die in ökologisch orientierten Großprojekten in großem Umfang angefallenen Daten gezielt zu berücksichtigen (z.B. UVPs, Tropenprojekte der DFG an verschiedenen Universitäten, regionale Umweltdatenbanken).

Zusammenfassung der Ergebnisse des Workshops "Arthropoda" (Haszprunar):

1. Die vorgeschlagene Teilung des nationalen GBIF-Knotens in Kompetenzbereiche nach biosystematischen Gruppen wird allgemein befürwortet.

2. Eine Zweiteilung bzw. Umstrukturierung des Bereichs "Arthropoda" in: A. Insecta (Entomologie) und B. Kontinentale Evertebrata (exkl. Insekten) wird empfohlen. Ein Zusammenfassen der Bereiche Pilze und Mikroorganismen zu einem Knoten erscheint sinnvoll.

3. Die Etablierung eines nationalen Teilknotens Arthropoda/Insecta erscheint im Rahmen einer "Süd-Achse" mit folgender Aufgabenteilung konkret möglich: SMNS Stuttgart - Koordination, Univ. Ulm (SYSTAX) - technischer Knoten, ZSM München - Inhalte, Dateninput. Eine eigene Zuständigkeit für den Bereich "Kontinentale Evertebrata" ist für ZSM denkbar (abhängig von staatsministeriellen Zusagen).

4. Prioritätensetzung: Als mögliche übergeordnete Themenbereiche wurden vordringlich die Typenerfassung in Sammlungen, die (globale) Georeferenzierung von Beleginformationen und die Verknüpfung bzw. Einbindung ökologischer Daten und Bestimmungshilfen identifiziert.

5. Technische Infrastruktur: Für den Bereich Arthropoda/Insecta wird SYSTAX als zentrale Datenbank bzw. Datenmanagementsystem verfügbar sein. Kompetenzen für Metadatensysteme stehen bei der ZADI (BIG, ZEFOD) zur Verfügung.

 

Für das Protokoll: R. Trusch, G. Haszprunar, C. Häuser München, 9. März 2001

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