Teilknoten Evertebrata III
Koordinator
Dr. Michael Türkay
Forschungsinstitut Senckenberg,
Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt a. M.
e-mail: michael.tuerkay@senckenberg.de
IT-Verantwortlicher
Lothar Menner
Forschungsinstitut Senckenberg
Senckenberganlage 25, 60325 Frankfurt a. M.
e-mail: lothar.menner@senckenberg.de
Umfang und berücksichtigte Tiergruppen
Der Teilknoten Evertebrata III umfasst vor allem die marinen Evertebraten. Da es bei einigen größeren Gruppen sowohl Land-, Süßwasser- als auch marine Tiere gibt, wurden diese auf die Knoten Evertebrata II und III verteilt. Damit werden im Rahmen des Teilknotens Evertebrata III außer allen Tierstämmen excl. der Arthropoden, Mollusken und Chordaten noch die Crustaceen als ganzes bearbeitet. Die Mollusken und Cheliceraten als ganzes dagegen werden vom Teilknoten Evertebrata II abgedeckt. Mit dieser Aufteilung wird erreicht, dass die Crustaceen, Mollusken und Cheliceraten nicht nach Lebensräumen auseinandergerissen werden.
Ziele und Strategien
Die Typenerfassung, die im Knoten Evertebrata III geplant ist, dient verschiedenen Zwecken. Zur Erzeugung eines globalen Namenskataloges werden zuallererst die Namensträger gebraucht, um nicht nur auf Sekundärliteratur zu basieren. Dies ist insofern wichtig, als Namen einerseits für reproduzierbare und eindeutige Benennungen (Nomenklatur) gebraucht werden, dann aber auch zur Darstellung wissenschaftlicher Konzepte (z. B. in der Taxonomie) dienen. Eindeutig ist dabei nur die 1:1-Verknüpfung mit dem Typusexemplar, nicht aber weitere Teilmengenbildungen, die stets eine 1:n-Beziehung darstellen. Da "n" je nach angewandtem wissenschaftlichem Konzept eine Variable ist, kann eine Normierung von Namen nur mit Bezug zum Typus erfolgen. Die Verfügbarkeit dieser und assoziierter sammlungsgebundener Information ist daher von prioritärer Bedeutung. Dadurch wird eine für alle im Internet frei zugängliche Referenzbasis für den globalen Namenskatalog geschaffen. Die assoziierten Informationen erlauben außerdem eine genaue Dokumentation von Fundumständen, die für weiterführende Arbeiten und eine mögliche Reproduzierung von allgemein biologischen Ergebnissen von Bedeutung sind. Da diese Information frei zugänglich sein wird, wird auch eine Forderung nach Repatriierung von Daten und Kenntnissen, wie sie die UNCED-Konvention von Rio de Janeiro fordert, erfüllt. Die prioritäre Typenerfassung hat strategische Vorteile für die Datenbankentwicklung. Grundsätzlich sollte die wechselnde Zuordnung von Objekten zu Arten nachvollziehbar sein, da diese einen historischen Erkenntnisschritt darstellt. Nur so können vergangene Aussagen und Ergebnisse mit unserem heutigen Verständnis kompatibel gemacht und verglichen werden. Bei Typen ist ein Angelpunkt in der 1:1-Zuordnung zu Namen festgelegt, so dass die historische Determinationsfolge einen eindeutigen Anfangspunkt hat, der nicht auf einer Fehlbestimmung beruht. Aufgrund dieser gegenüber Nicht-Typenmaterial vereinfachten Ausgangslage, kann die Leistungsfähigkeit von Datenbanksystemen getestet und verbessert werden. Dies wird insbesondere bei der noch herzustellenden internationalen Interoperabilität eine große Rolle spielen.
Die Teilanträge des Knotens Evertebrata III sind, je nach Größe der Sammlungen, auf einzelne Standorte beschränkt oder haben einen deutschlandweiten, in einem Fall sogar weltweiten Rahmen. Nicht alle Tiergruppen sind vertreten, da die Verfügbarkeit von Spezialisten hier ein begrenzender Faktor ist und die rein formale (verwaltungstechnische) Erfassung nur Datenmüll produzieren würde. Damit wird der Anspruch vertreten, alle Erfassungen auf hohem wissenschaftlichem Niveau durchzuführen.
Die Bearbeitung und Speicherung erfolgt einheitlich in SeSam (SeSam = Senckenbergisches Sammlungsmanagementsystem), einer webbasierten Applikation zur ortsunabhängigen Datenerfassung. Das Webangebot umfasst alle im Rahmen von GBIF aufgenommenen Sammlungsdaten der beteiligten Museen und die gesamte bei Senckenberg in SeSam erfasste Sammlung. Das Angebot wird ständig aktualisiert und auch über das internationale GBIF-Portal abfragbar sein.
Teilprojekte des Knotens Evertebrata III
Cnidaria
Reinicke, G. B. (Deutsches Meeresmuseum, Stralsund) & B. Ruthensteiner (Zoologische Staatssammlung, München):
Octocorallia (Anthozoa) und ausgewählte Hydrozoa in deutschen Museums-Sammlungen.
Gemeinsam mit: Schuhmacher, H. (Universität Essen):
Erfassung der Steinkorallen-Sammlungen Haeckel (Jena) und Schuhmacher (Essen).
Annellida
Westheide, W. & Schmelz, R. (Universität Osnabrück):
Enchytraeidae (Oligochata), Erfassung und Revision der Typen in Deutschland und Weltweit.
Crustacea
Coleman, C. O. (Museum für Naturkunde, HU Berlin):
Erfassung der Sammlungsdaten der Crustaceen-Abteilung des Museums für Naturkunde in Berlin.
Türkay, M. (Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt a. M.):
Erfassung des Typenmaterials der Crustaceensammlung des Forschungsinstitutes Senckenberg einschließlich der des Göttinger Zoologischen Museums (Dauerleihgabe).
Bryozoa
Scholz, J. (Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt a. M.):
Inventarisierung von Bryozoa-Holotypen in Deutschland, Gesamtschau der Bryozoen Sammlungen Deutschlands und internationale Anbindung.
Diverse (Gemischtes)
Janussen, D. (Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt a. M.):
Vollständige elektronische Erfassung der Sammlungen Porifera, Cnidaria und Tunicata des Naturmuseums Senckenberg und eine Revision der Hexactinellida (Porifera) in Deutschland.
Lüter, C. (Museum für Naturkunde, HU Berlin):
Vollständige Typen-Erfassung ausgewählter Taxa der Sammlung "Marine Invertebraten" des Museums für Naturkunde (MfN), Berlin.
Neuhaus, B. (Museum für Naturkunde, HU Berlin):
Erfassung von Primärtypen und ausgewählten Schlüsselgruppen parasitischer "-Wurm-artiger Tiere" am Museum für Naturkunde, Berlin.
Brandt, A. (Zoologisches Institut und Museum der Universität Hamburg):
Erfassung des Typusmaterials der Sammlung Niedere Tiere II (Crustacea und Polychaeta) des Zoologischen Museums Hamburg (ZMH).
Ruhberg, H. (Zoologisches Institut und Museum der Universität Hamburg):
Erfassung von Typusmaterial und weiteren wichtigen Belegmaterials eines Teilbereichs der Sammlung Niedere Tiere I des Zoologischen Museums Hamburg (ZMH) und weiterführende Arbeiten.

